Stickstoffmangel bei Cannabispflanzen zählt zu den häufigsten Nährstoffproblemen im Anbau. Stickstoff ist essenziell für Chlorophyll, Aminosäuren und Proteine – also für grundlegende Wachstumsprozesse. Ohne ausreichende Stickstoffversorgung verlangsamt sich die Photosynthese, das Wachstum stagniert und die Pflanze beginnt, ältere Blätter abzubauen.
Doch nicht jeder sichtbare Mangel ist automatisch eine Unterversorgung. Häufig liegt die Ursache in einem instabilen Nährstoffsystem, falschem pH-Wert oder einer gestörten Wurzelzone.
Stickstoff ist Bestandteil von:
Chlorophyll
Aminosäuren
Enzymen
Nukleinsäuren (DNA/RNA)
Chlorophyll ist für die Photosynthese verantwortlich. Sinkt der Stickstoffgehalt, nimmt die Chlorophyllproduktion ab – die Blätter verlieren ihre intensive grüne Farbe.
Da Stickstoff mobil ist, wird er bei Mangel aus älteren Blättern in jüngere Pflanzenteile transportiert. Deshalb treten erste Symptome immer an den unteren Blättern auf.
Frühe Phase:
Mittlere Phase:
Fortgeschrittene Phase:
Wichtig:
Stickstoffmangel zeigt sich meist gleichmäßig über das gesamte Blatt – nicht punktuell oder zwischen den Adern.
In der späten Blütephase reduziert die Pflanze natürlicherweise die Stickstoffaufnahme. Ein leichter Rückgang der Blattfarbe kann dann normal sein.
Unterscheidungsmerkmale:
Natürliche Alterung:
tritt spät in der Blüte auf
betrifft hauptsächlich untere Blätter
Gesamtpflanze wirkt stabil
Echter Mangel:
Timing ist entscheidend für die Diagnose.
Ein Stickstoffmangel entsteht nicht nur durch zu geringe Düngung.
Häufige Ursachen:
-
pH-Blockade
Ein instabiler pH-Wert kann die Aufnahme hemmen.
-
Salzstress (hoher EC)
Zu hohe Salzkonzentration erschwert Wasser- und Nährstoffaufnahme.
-
Überwässerung
Sauerstoffmangel in der Wurzelzone reduziert Nährstofftransport.
-
Zu kleine Topfgröße
Schnelle Nährstofferschöpfung im Substrat.
-
Ungleichgewicht im Nährstoffverhältnis
Hohe Kalium- oder Phosphorgaben können Stickstoffdynamik beeinflussen.
Stickstoff ist besonders in der Vegetationsphase entscheidend. Ein früher Mangel reduziert:
Blattfläche
Photosynthesekapazität
Energieproduktion
In der Blüte kann ein leichter Rückgang sinnvoll sein, da überschüssiger Stickstoff:
Die Balance ist entscheidend.
Langfristige Stabilität entsteht durch:
Ein Übermaß an Stickstoff ist ebenso problematisch wie ein Mangel. Zu hohe N-Gaben führen zu:
Stickstoffmanagement ist daher ein Balanceakt.
Im Cannabisanbau wird häufig nur über „Stickstoffmenge“ gesprochen. Tatsächlich ist jedoch entscheidend, in welcher Form Stickstoff vorliegt und wie die Pflanze ihn metabolisch verarbeitet. Stickstoff wird hauptsächlich in zwei anorganischen Formen aufgenommen:
Nitrat (NO₃⁻)
Ammonium (NH₄⁺)
Diese beiden Formen unterscheiden sich stark in ihrer physiologischen Wirkung.
1. Nitrat-Stickstoff (NO₃⁻)
Nitrat ist die stabilere Form im Substrat. Es muss in der Pflanze jedoch erst enzymatisch reduziert werden:
NO₃⁻ → NO₂⁻ → NH₄⁺ → Aminosäuren
Diese Umwandlung erfordert Energie (ATP) und Enzymaktivität (Nitratreduktase). Deshalb ist Nitrat stark temperatur- und lichtabhängig.
Bei niedrigen Temperaturen oder schwacher Beleuchtung kann die Umwandlung verlangsamt sein. Das kann zu einem scheinbaren Stickstoffmangel führen – obwohl ausreichend Nitrat vorhanden ist.
Vorteile von Nitrat:
2. Ammonium-Stickstoff (NH₄⁺)
Ammonium ist direkt verwertbar, da es nicht reduziert werden muss. Es kann schneller in Aminosäuren eingebaut werden.
Allerdings:
Überschuss kann toxisch wirken
senkt den pH-Wert im Wurzelbereich
kann Calcium- und Magnesiumaufnahme beeinflussen
Ein Übermaß an Ammonium kann zu weichem, dunkelgrünem Wachstum führen und die Pflanze anfälliger für Krankheiten machen.
3. Energetische Balance der Stickstoffverwertung
Die Umwandlung von Nitrat in pflanzenverfügbare Formen verbraucht Energie. In Phasen mit:
kann die Pflanze diesen Prozess nicht effizient durchführen.
Das Ergebnis:
Wachstum verlangsamt sich, obwohl Stickstoff im Substrat vorhanden ist.
Hier liegt ein häufiger Diagnosefehler.
4. Stickstoff und pH-Dynamik
Nitrat-Aufnahme erhöht tendenziell den pH-Wert in der Rhizosphäre, während Ammonium ihn senkt.
Ein Ungleichgewicht zwischen beiden Formen kann daher:
Ein stabiles Verhältnis beider Formen ist langfristig entscheidend.
5. Mikrobiologie im Substrat
In organischen Substraten spielt die mikrobielle Mineralisierung eine große Rolle. Mikroorganismen wandeln organischen Stickstoff in pflanzenverfügbare Formen um.
Bei:
kaltem Substrat
Sauerstoffmangel
übermäßig nassem Boden
verlangsamt sich dieser Prozess.
Das kann zu Stickstoffmangel führen, obwohl organisches Material ausreichend vorhanden ist.
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und möchte niemanden zum Konsum von CBD oder ähnlichen Produkten verleiten. Unsere Produkte sind ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke gedacht. Informiere dich vor dem Kauf stets über die aktuelle Gesetzeslage in deinem Land.