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Cannabis Pflanze mit typischen Schädlingsschäden wie Blattflecken, gesprenkelten Oberflächen und Trichomverlust – Beispiel für frühen Befall.

Nährstoffmangel bei Cannabispflanzen erkennen und systemisch beheben

Written by: Katharina

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Time to read 6 min

Nährstoffmangel bei Cannabispflanzen wird häufig vorschnell als „zu wenig Dünger“ interpretiert. In der Praxis liegt die Ursache jedoch meist nicht in einer Unterversorgung, sondern in einem gestörten Nährstoffsystem. pH-Schwankungen, Salzakkumulation, Wurzelstress oder ein Ungleichgewicht im Ionengefüge führen dazu, dass Nährstoffe zwar vorhanden sind, aber nicht effizient aufgenommen oder verwertet werden können.


Cannabis reagiert empfindlich auf systemische Instabilität. Deshalb ist es entscheidend, Mangelerscheinungen nicht isoliert zu betrachten, sondern das gesamte Anbauumfeld zu analysieren.

Key Takeaways:


  • Mangel ist oft Blockade

  • pH ist Hauptsteuerfaktor

  • EC beeinflusst Wasseraufnahme

  • Verhältnis wichtiger als Menge

  • Stabilität verhindert Folgeprobleme

  • Unsere besten Samen



Inhaltsverzeichnis

Makronährstoffmangel – physiologische Hintergründe


Stickstoffmangel: Energie- und Wachstumsdefizit



Stickstoff ist zentral für Chlorophyll, Aminosäuren und Proteine. Ein Mangel reduziert unmittelbar die Photosyntheseleistung. Die Pflanze mobilisiert Stickstoff aus älteren Blättern, um neue Triebe zu versorgen. Deshalb beginnen die Symptome unten.


Typische Anzeichen:


  • gleichmäßige Gelbfärbung älterer Blätter

  • verlangsamtes Wachstum

  • dünne Stängelstruktur

  • geringere Blattmasse



Chronischer Stickstoffmangel führt zu reduzierter Biomasse und schwächerer Blütenbildung.


Phosphormangel: Energieübertragung gestört



Phosphor ist Bestandteil von ATP – dem Energieträger der Pflanze. Ein Defizit beeinflusst besonders Wurzelentwicklung und Blütenbildung.


Symptome:


  • dunkelgrüne bis leicht bläuliche Blätter

  • rötliche Stängelverfärbungen

  • verlangsamtes Wachstum

  • reduzierte Blütenentwicklung



Oft ist hier ein zu niedriger Substrat-pH oder kalte Wurzelzone die Ursache.


Kaliummangel: Wasserregulation aus dem Gleichgewicht



Kalium reguliert den Turgordruck und die Enzymaktivität.


Symptome:


  • braune Blattränder

  • Randnekrosen

  • schwache Stresstoleranz

  • instabile Blütenstruktur



Ein Kaliummangel entsteht häufig durch Ungleichgewicht mit Calcium oder Magnesium – nicht zwingend durch zu geringe Zufuhr.


Cannabis Mangel oder Blockade? – Der entscheidende Unterschied

Ein echter Mangel liegt vor, wenn ein Element im Substrat nicht ausreichend vorhanden ist.


Eine Blockade entsteht, wenn:


  • pH außerhalb des optimalen Fensters liegt

  • EC zu hoch ist (Salzstress)

  • Ionenantagonismus herrscht

  • Wurzelzone zu kalt oder sauerstoffarm ist



Blockaden sind deutlich häufiger als echte Mängel.


Deshalb gilt:

Vor dem Nachdüngen immer pH und EC prüfen.

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Physiologische Kettenreaktionen bei chronischem Mangel

Ein Nährstoffmangel wirkt nicht isoliert. Er erzeugt eine energetische Kaskade:


  1. Photosynthese sinkt

  2. ATP-Produktion nimmt ab

  3. Wurzelwachstum verlangsamt sich

  4. Nährstoffaufnahme verschlechtert sich weiter



Das System gerät in eine negative Rückkopplung.


Frühe Mängel in der Vegetationsphase wirken sich später stark auf Blütendichte und Harzbildung aus.

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Systemische Ursachen – warum mehrere Mängel gleichzeitig auftreten

Wenn eine Pflanze mehrere Symptome zeigt, liegt das fast immer an:


  • instabilem pH

  • hohem EC

  • ungleichmäßigem Gießverhalten

  • schlechter Drainage

  • ungünstigem Ca:Mg:K-Verhältnis



Mehrere sichtbare Mängel sind ein Hinweis auf Systeminstabilität, nicht auf mehrere fehlende Einzelstoffe.


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Nährstoffsystem und langfristige Stabilität

Langfristige Stabilität entsteht durch Gleichgewicht.



1. pH-Kontrolle als Fundament



Jeder Nährstoff hat ein bestimmtes Aufnahmefenster. Ein stabiler pH verhindert Mehrfachblockaden.



2. EC-Management



Moderate Nährstoffkonzentration ist sicherer als aggressive Düngung. Überdüngung ist häufiger als echter Mangel.



3. Wurzelgesundheit



Ohne gesunde Wurzeln keine stabile Nährstoffaufnahme. Sauerstoff, Temperatur und Drain sind entscheidend.



4. Verhältnisdenken statt Einzelwertdenken



Calcium, Magnesium und Kalium beeinflussen sich gegenseitig. Stabilität entsteht durch Balance.



5. Ruhige Korrekturstrategie



Keine impulsiven Erhöhungen. Kleine Anpassungen, Beobachtung neuer Blätter, systematische Analyse.


Stabilität ist präventiv, nicht reaktiv.


Diagnose-Protokoll: Nährstoffmangel in 6 Schritten sicher bestimmen

Wenn Cannabis pflanzen Mangelerscheinungen zeigen, ist der häufigste Fehler „Symptom raten → Dünger nachkippen“. Das führt oft zu einer Eskalation, weil Blockaden, Salzstress oder pH-Drifts die eigentliche Ursache sind. Ein sauberes Diagnose-Protokoll verhindert genau das. Es zwingt Dich, erst das System zu prüfen, bevor Du eingreifst.



Schritt 1: Betroffene Blätter richtig einordnen (Mobilität)



Die erste Frage lautet: Betrifft es alte oder neue Blätter?


  • Mangel startet an alten Blättern → häufig mobile Nährstoffe (z. B. N, Mg, K, P)

  • Mangel startet an neuen Blättern → häufig immobile/gering mobile Nährstoffe (z. B. Ca, Fe, Mn, Zn, Cu)



Diese Einordnung ist wichtig, weil sie die Fehlerquote massiv reduziert. Viele verwechseln Eisen- und Magnesiumprobleme, weil beide Chlorose erzeugen – aber die Blattposition ist der Schlüssel.



Schritt 2: Muster der Chlorose lesen (zwischen Adern, an Rändern, flächig)



Jetzt kommt die „Musterdiagnose“:


  • interkostal (zwischen Adern gelb, Adern grün) → oft Mg (alt) oder Fe/Mn (jung)

  • Randnekrose / „verbrannte Ränder“ → oft K, Salzstress oder pH-Blockaden

  • gleichmäßig flächig hell → oft N (alt) oder Licht-/Wasserstress als Trigger

  • Punktnekrosen → häufig Mn oder fortgeschrittene Blockaden



Du willst hier nicht 100% „treffen“, sondern eine Wahrscheinlichkeitszone definieren.



Schritt 3: pH ist die erste harte Messung



Bevor Du an Dünger denkst: pH prüfen.

Denn pH kann mehrere Elemente gleichzeitig blockieren – und erzeugt dann „Mischsymptome“.


Wichtig ist nicht nur ein einzelner pH-Wert, sondern die Frage:

Driftet der pH?

Ein System, das ständig driftet, produziert wiederkehrende Mangelbilder, egal wie gut die Düngung ist.



Schritt 4: EC / Salzstatus prüfen (Osmose!)



EC ist der zweite harte Messwert. Hoher EC bedeutet osmotischen Stress: Wasseraufnahme wird gehemmt, Spurenelemente werden zuerst unzuverlässig aufgenommen, und die Pflanze zeigt dann scheinbare Mängel trotz „genug Nährstoffen“.


Wenn EC hoch ist und gleichzeitig Mangelbilder auftreten, ist die Chance sehr groß, dass Du es mit einer Blockade/Salzakkumulation zu tun hast.



Schritt 5: Wurzelzone checken (die unsichtbare Ursache)



90% der „unerklärlichen“ Mangelbilder sind Wurzelprobleme:


  • zu nass → Sauerstoffmangel → Aufnahme bricht ein

  • zu kalt → Stoffwechsel verlangsamt → Aufnahme bricht ein

  • zu verdichtet → kaum Luftporen → Wurzeln werden träge

  • zu kleiner Topf → Salzkonzentration steigt schneller → EC-Spitzen



Wenn die Wurzelzone nicht stabil ist, sind pH/EC-Korrekturen nur kurzfristig.



Schritt 6: Erst dann gezielt korrigieren (klein, sauber, beobachtbar)



Die Regel für stabile Systeme lautet:


Erst Ursache korrigieren → dann gezielt nachgeben.


Und: Nicht an alten Blättern messen.

Erfolg erkennst Du an neuem Wachstum innerhalb der nächsten Tage/Woche.


Nährstoffblockade und Antagonismen: Warum „genug im Substrat“ trotzdem nicht reicht

Viele Grower glauben, Nährstoffmangel sei ein Lagerproblem: „Wenn ich genug reinfülle, ist genug da.“ Pflanzen funktionieren aber nicht wie ein Lagerhaus. Nährstoffe müssen in einer bestimmten chemischen Form vorliegen, verfügbar sein, aufgenommen werden können und in einem Verhältnis stehen, das den Ionentransport nicht behindert.



1) Blockade durch pH: Chemie schlägt Menge



Nährstoffe sind in Wasser nur in bestimmten pH-Bereichen gut löslich. Außerhalb dieses Fensters werden sie gebunden oder in Formen überführt, die die Pflanze nicht nutzen kann.


Das erzeugt den „Paradox-Effekt“:


  • Du düngst mehr,

  • aber die Pflanze bekommt weniger.



Das ist der Grund, warum pH-Probleme oft wie Mehrfachmängel aussehen:

Ein einziger pH-Fehler blockiert gleich mehrere Elemente.



2) Blockade durch Salzstress (EC): Osmose schlägt Aufnahme



Hoher EC ist ein Aufnahme-Killer. Osmotisch betrachtet liegt dann die Salzkonzentration außerhalb des Bereichs, in dem Wasser frei in die Wurzel strömen kann. Die Pflanze muss Energie aufwenden, um überhaupt Wasser zu ziehen. Dadurch wird der Transport von Ionen instabil.


Das führt zu:


  • verlangsamter Nährstoffaufnahme

  • Spurenelement-Chaos

  • sekundären Mangelbildern

  • Wachstumsstopp



Und genau hier entsteht der größte Fehler: Viele reagieren auf Mangelzeichen mit mehr Dünger. Dadurch steigt EC weiter und die Blockade verstärkt sich.



3) Antagonismen: Ionen konkurrieren aktiv



Nährstoffe konkurrieren um Transportwege. Zu viel von einem kann die Aufnahme eines anderen blockieren. Das ist besonders relevant bei:


  • Ca vs Mg (Calcium verdrängt Magnesiumaufnahme bei Übergewicht)

  • K vs Mg (hohes Kalium kann Magnesiumaufnahme bremsen)

  • P vs Mikros (hoher Phosphor kann Spurenelementaufnahme stören)



Das bedeutet: Selbst wenn Magnesium im Substrat vorhanden ist, kann die Pflanze Magnesiummangel zeigen, wenn Calcium oder Kalium zu dominant sind.


Langfristige Stabilität heißt daher: Verhältnisdenken statt Einzelwertdenken.



4) „Funktionelle Mängel“ durch Stoffwechsel-Limits



Manche Mängel sind keine Aufnahme-, sondern eine Verwertungsstörung.


Beispiel:


  • Nitrat ist da, aber ohne Molybdän funktioniert die Umwandlung schlecht.

  • Magnesium ist da, aber bei massiver Photosynthese-Last (LED, starkes Licht) steigt der Bedarf und das System kippt.



Das sind systemische Grenzen: Das Setup fordert mehr, als das Nährstoffsystem liefern kann.



5) Warum Blockaden oft „wie echte Mängel“ aussehen



Weil das Blatt nicht „weiß“, ob der Stoff fehlt oder blockiert ist. Es reagiert nur auf das Ergebnis: zu wenig verfügbar im Stoffwechsel.


Das ist der Grund, warum man nie nur nach Optik korrigieren sollte. Optik ist der Alarm – nicht die Diagnose.



6) Stabilitätsstrategie: Blockaden vorbeugen statt Mängel jagen



Wenn Du Blockaden vermeiden willst, brauchst Du:


  • stabile pH-Führung (keine Drifts)

  • moderaten EC ohne Peaks

  • ausgewogene Verhältnisse (Ca:Mg:K)

  • saubere Bewässerungszyklen (O₂ im Substrat)

  • regelmäßige Drain-/Runoff-Kontrolle



Dann verschwinden „mysteriöse Mängel“ fast vollständig.


FAQ

Ist Mangel häufiger als Überdüngung?

Nein. In modernen Setups ist Überdüngung deutlich häufiger.

Kann falscher pH mehrere Mängel gleichzeitig auslösen?

Ja, pH-Blockaden betreffen oft mehrere Elemente gleichzeitig.


Sind beschädigte Blätter heilbar?

Nein. Nur neue Blätter zeigen die Erholung.


Sollte man bei ersten Symptomen sofort düngen?

Nein. Zuerst System prüfen.

Disclaimer

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und möchte niemanden zum Konsum von CBD oder ähnlichen Produkten verleiten. Unsere Produkte sind ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke gedacht. Informiere dich vor dem Kauf stets über die aktuelle Gesetzeslage in deinem Land.

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