Nährstoffbrand bei Cannabis – häufig auch als „Überdüngung“ bezeichnet – entsteht nicht durch einen einzelnen Nährstoff, sondern durch ein Ungleichgewicht im gesamten Wurzelsystem. Es handelt sich um eine Stressreaktion der Pflanze auf zu hohe Salzkonzentrationen im Substrat. Der Begriff „Brand“ beschreibt dabei die sichtbaren Blattspitzen-Schäden, die durch osmotischen Stress entstehen.
Wichtig: Nährstoffbrand ist kein „Giftproblem“, sondern in den meisten Fällen ein osmotisches Problem. Die Pflanze wird nicht direkt durch einzelne Nährstoffe verbrannt – sie kann Wasser nicht mehr effizient aufnehmen.
Im Substrat liegen Nährstoffe als gelöste Salze vor. Je höher die Konzentration dieser Salze, desto höher der sogenannte elektrische Leitwert (EC). Steigt der EC-Wert stark an, verändert sich das osmotische Gleichgewicht zwischen Substrat und Wurzelzelle.
Normalerweise:
Substrat enthält weniger gelöste Salze als das Zellinnere
Wasser fließt in die Wurzel (Osmose)
Nährstoffe werden transportiert
Bei Überdüngung:
Substrat enthält mehr gelöste Salze als die Wurzelzelle
Wasserfluss kehrt sich um oder wird gehemmt
Wurzel verliert Wasser
Zellen trocknen lokal aus
Die sichtbare Folge sind verbrannte Blattspitzen. Diese entstehen, weil die Blattspitze der Ort ist, an dem Transpiration und Nährstofftransport enden. Dort sammeln sich überschüssige Salze zuerst.
Das ist kein „Verbrennen“ durch Hitze – sondern eine lokale Dehydrierung durch Salzstress.
Frühe Phase:
Mittlere Phase:
Fortgeschrittene Phase:
großflächige Nekrosen
Blattkräuselung
Wachstumsstopp
mögliche Sekundärmängel
Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal:
Beim Nährstoffbrand beginnt der Schaden fast immer an den Spitzen – nicht zwischen den Blattadern.
1. Zu hoher EC-Wert
Die häufigste Ursache ist eine zu hohe Nährstoffkonzentration.
2. Akkumulation von Salzen
Bei unzureichendem Drain sammeln sich Salze im Substrat an. Selbst moderates Düngen kann so langfristig zu Überkonzentration führen.
3. Zu häufiges Nachdüngen
Impulsives „mehr geben“ bei leichten Mangelanzeichen kann das System destabilisieren.
4. Kleine Töpfe mit starker Düngung
Begrenztes Substratvolumen erhöht die Salzkonzentration schneller.
5. Kombination aus hoher Temperatur + hoher Düngung
Erhöhte Transpiration kann Nährstofftransport beschleunigen – bei gleichzeitig hohem EC verschärft sich der Effekt.
Nährstoffbrand ist fast immer ein Systemfehler, kein Einzelfehler.
Beide zeigen braune Blattspitzen, doch die Ursache ist unterschiedlich.
Nährstoffbrand:
Kaliummangel:
Merksatz:
Dunkelgrün + Spitzenbrand = Überdüngung wahrscheinlicher.
Chronischer Salzstress führt zu:
gestörter Wasseraufnahme
reduzierter Photosyntheseleistung
erhöhter Anfälligkeit für weitere Mängel
verlangsamter Blütenentwicklung
In der Blüte kann Überdüngung:
Die Pflanze investiert Energie in Stressbewältigung statt Wachstum.
Langfristige Stabilität entsteht nicht durch maximale Düngung, sondern durch Gleichgewicht.
1. EC als Steuerinstrument
EC ist kein Zielwert, sondern ein Kontrollwert. Entscheidend ist:
2. pH- und Salz-Dynamik verstehen
Ein steigender EC kann auch pH-Drifts verursachen. Instabile Systeme verstärken sich selbst.
3. Substrat-Reset
Je nach Medium kann gelegentliches Spülen notwendig sein, um Salzakkumulation zu vermeiden.
4. Präventive Düngestrategie
Besser leicht unterversorgen als dauerhaft überversorgen. Cannabis reagiert empfindlicher auf Überschuss als auf leichte Defizite.
5. Wurzelgesundheit priorisieren
ausreichend Sauerstoff
stabile Feuchtigkeit
angemessene Topfgröße
Ein stabiles Wurzelsystem puffert Nährstoffschwankungen.
Langfristige Stabilität bedeutet:
Überdüngung ist oft das Ergebnis von Ungeduld.
Nährstoffbrand ist kein oberflächliches „Spitzenproblem“, sondern eine systemische Stressreaktion, die auf zellulärer Ebene beginnt. Um die volle Tragweite zu verstehen, muss man sich die Osmose und den Turgordruck genauer ansehen.
1. Osmotische Umkehr und Wasserverlust
Unter normalen Bedingungen liegt die Salzkonzentration im Zellinneren höher als im Substrat. Dadurch entsteht ein osmotischer Gradient: Wasser fließt in die Zelle, der Turgordruck bleibt stabil, das Gewebe bleibt gespannt.
Bei stark erhöhter Salzkonzentration im Substrat kehrt sich dieser Gradient um:
Wasser wird aus den Wurzelzellen herausgezogen
Turgordruck sinkt
Zellmembranen verlieren Stabilität
Stofftransport wird gehemmt
Diese Dehydrierung ist zunächst mikroskopisch, wirkt sich aber direkt auf Transpiration und Photosynthese aus.
2. Warum Blattspitzen zuerst betroffen sind
Blattspitzen sind der Endpunkt des Nährstoff- und Wassertransports. Dort sammeln sich Ionen, da der Wasserstrom durch Transpiration kontinuierlich nach oben zieht.
Bei erhöhtem EC:
mehr Salze werden transportiert
an der Spitze akkumulieren sie
lokale Konzentration steigt weiter
Zellmembranen werden geschädigt
Die Zellen an der Spitze kollabieren zuerst – sichtbar als braune, vertrocknete Bereiche.
Das ist ein Konzentrationseffekt, kein Zufall.
3. Einfluss auf Photosynthese und Energieproduktion
Wenn osmotischer Stress anhält, reduziert die Pflanze aktiv ihre Spaltöffnungsaktivität (Stomata). Das führt zu:
Die Pflanze wechselt in einen Schutzmodus. Wachstum wird gedrosselt, Stoffwechsel verlangsamt sich.
Langfristig bedeutet das:
Nährstoffbrand ist daher ein Energiemangel-Trigger.
4. Sekundäre Mängel durch Salzstress
Ein dauerhaft erhöhter EC blockiert nicht nur Wasseraufnahme, sondern auch Spurenelemente. Typische Folgeerscheinungen sind:
Diese sekundären Mängel entstehen nicht, weil die Elemente fehlen, sondern weil die Wurzel sie nicht mehr effizient transportieren kann.
Hier beginnt die klassische Fehlerkette:
Überdüngung → Salzstress → Mangelanzeichen → noch mehr Dünger → Eskalation.
5. Chronischer vs. akuter Nährstoffbrand
Akut:
Chronisch:
schleichende Salzakkumulation
immer dunkler werdende Blätter
allmählicher Wachstumsverlust
Chronischer Brand ist gefährlicher, da er oft über Wochen unbemerkt bleibt.
6. Zelluläre Erholung – was ist reversibel?
Beschädigte Blattspitzen regenerieren nicht.
Aber: Wenn das System stabilisiert wird, können neue Blätter gesund wachsen.
Erholung hängt ab von:
Je länger die Wurzeln unter osmotischem Druck standen, desto länger dauert die vollständige Regeneration.
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und möchte niemanden zum Konsum von CBD oder ähnlichen Produkten verleiten. Unsere Produkte sind ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke gedacht. Informiere dich vor dem Kauf stets über die aktuelle Gesetzeslage in deinem Land.