Magnesiummangel bei Cannabis gehört zu den häufigsten Nährstoffproblemen im Anbau – insbesondere unter LED-Beleuchtung oder bei Verwendung von weichem Wasser. Magnesium ist ein zentraler Bestandteil des Chlorophylls und damit direkt an der Photosynthese beteiligt. Ohne ausreichende Versorgung sinkt die Energieproduktion der Pflanze, was sich unmittelbar im Wachstum und in der Blütenentwicklung bemerkbar macht.
Anders als einige Spurenelemente ist Magnesium ein mobiler Nährstoff. Das bedeutet: Die Pflanze kann es von älteren in jüngere Blätter umlagern. Genau deshalb zeigen sich erste Symptome typischerweise an den unteren, älteren Blättern. Wer das nicht korrekt einordnet, verwechselt Magnesiummangel schnell mit Stickstoff- oder Kaliummangel.
Magnesiummangel ist selten ein isoliertes Düngeproblem – häufig steckt ein Ungleichgewicht im Nährstoffsystem dahinter.
Magnesium ist das zentrale Atom im Chlorophyllmolekül. Ohne Magnesium kann kein funktionsfähiges Chlorophyll gebildet werden – und ohne Chlorophyll keine Photosynthese. Das bedeutet: Magnesium ist direkt für die Umwandlung von Lichtenergie in chemische Energie verantwortlich.
Darüber hinaus aktiviert Magnesium zahlreiche Enzyme, die am Kohlenhydratstoffwechsel beteiligt sind. Es unterstützt:
Zuckertransport
ATP-Stabilisierung
Proteinsynthese
Phosphatübertragung
Ein Mangel wirkt sich daher nicht nur optisch auf die Blattfarbe aus, sondern beeinträchtigt die gesamte Energieökonomie der Pflanze. Besonders unter intensiver Beleuchtung steigt der Magnesiumbedarf, da die Photosyntheseleistung höher ist.
Magnesium ist mobil. Bei Mangel wird es aus älteren Blättern abgezogen, um jüngere Triebe zu versorgen. Genau daraus ergibt sich das typische Schadbild.
Das klassische Symptom ist die interkostale Chlorose – eine Vergilbung zwischen den Blattadern, während die Adern selbst grün bleiben.
Typische Merkmale:
Gelbfärbung beginnt an älteren Blättern
Blattadern bleiben zunächst deutlich grün
fortschreitende Aufhellung von innen nach außen
später braune Nekrosen zwischen den Adern
Blätter rollen sich leicht nach oben
In frühen Stadien wirkt das Blatt marmoriert. In späteren Phasen entstehen trockene, rostige Flecken. Bleibt der Mangel unbehandelt, kann es zum vollständigen Blattabwurf kommen.
Wichtig ist die Abgrenzung zu Eisenmangel:
Magnesiummangel betrifft ältere Blätter – Eisenmangel junge.
Ein echter Magnesiummangel im Substrat ist möglich, jedoch häufig liegt eine Blockade vor.
1. Ungleichgewicht zwischen Calcium und Magnesium
Ein zu hoher Calciumanteil kann die Magnesiumaufnahme verdrängen. Dieses Verhältnis ist besonders bei hartem Leitungswasser relevant.
2. Zu weiches Wasser
Sehr weiches Wasser enthält kaum Magnesium. Ohne gezielte Ergänzung kann es zu Unterversorgung kommen.
3. Falscher pH-Wert
Außerhalb des optimalen pH-Bereichs sinkt die Verfügbarkeit erheblich. Besonders im alkalischen Bereich wird Magnesium schlechter aufgenommen.
4. Starke LED-Beleuchtung
Hohe Lichtintensität erhöht die Photosyntheseleistung – und damit den Magnesiumbedarf.
5. Salzansammlungen im Substrat
Hohe EC-Werte blockieren die Aufnahme von Magnesium über osmotischen Druck.
Magnesiummangel ist daher oft ein Resultat von Nährstoffantagonismus oder Umweltstress.
Magnesium und Kalium werden häufig verwechselt, da beide mobil sind und ältere Blätter betreffen.
Magnesiummangel:
Kaliummangel:
Magnesium beeinflusst primär die Photosynthese.
Kalium beeinflusst primär Wasserhaushalt und Zellstabilität.
Merksatz:
Vergilbung zwischen Adern = Magnesium
Verbrannte Ränder = Kalium
In der Blütephase ist der Energiebedarf besonders hoch. Die Pflanze produziert Biomasse und Harz – Prozesse, die stark von ATP und Photosynthese abhängen.
Ein Mangel in dieser Phase kann zu:
führen.
Da Magnesium mobil ist, zieht die Pflanze es aus älteren Fächerblättern ab. Leichte Vergilbung im unteren Bereich kann gegen Ende der Blüte normal sein. Entscheidend ist, ob der Mangel frühzeitig oder stark auftritt.
pH-Wert prüfen und stabilisieren
EC-Wert kontrollieren
Calcium-Magnesium-Verhältnis analysieren
Bei Bedarf moderate Magnesiumergänzung
Klima stabilisieren
Wichtig: Nicht blind nachdüngen. Ein Ungleichgewicht kann das Problem verschärfen.
Magnesiummangel ist selten ein Einzelphänomen. Er ist fast immer Ausdruck eines gestörten Nährstoffsystems. Wer Magnesium nur als „fehlenden Baustein“ betrachtet, übersieht die komplexe Dynamik zwischen Wurzelchemie, Ionenkonkurrenz, Wasserhaushalt und metabolischer Steuerung.
Cannabispflanzen nehmen Nährstoffe nicht unabhängig voneinander auf. Im Wurzelbereich herrscht ein elektrochemisches Gleichgewicht. Ionen konkurrieren um Transportkanäle, beeinflussen sich gegenseitig in ihrer Löslichkeit und verändern das osmotische Umfeld. Magnesium steht dabei in direkter Wechselwirkung mit:
Calcium
Kalium
Ammonium
Phosphat
1. Das Calcium-Magnesium-Verhältnis als Stabilitätsfaktor
Ein häufiges Problem im Anbau ist ein verschobenes Ca:Mg-Verhältnis. Calcium stabilisiert Zellwände und wirkt strukturbildend, während Magnesium primär enzymatisch und photosynthetisch wirkt. Beide sind zweiwertige Kationen (Ca²⁺, Mg²⁺) und konkurrieren um ähnliche Transportmechanismen.
Ist Calcium stark überrepräsentiert – etwa durch hartes Leitungswasser oder kalkhaltige Substrate – wird die Magnesiumaufnahme gehemmt. Die Pflanze zeigt Magnesiummangelsymptome, obwohl im Boden rechnerisch genug vorhanden ist.
Langfristige Stabilität bedeutet daher:
Nicht absolute Mengen zählen, sondern Verhältnisse.
2. Ionenantagonismus und Blockadeeffekte
Magnesium kann auch durch hohe Kaliumwerte blockiert werden. Kalium ist ein einwertiges Kation (K⁺), beeinflusst aber das elektrische Gleichgewicht in der Wurzelzone stark. Ein überhöhter Kaliumspiegel – häufig in der Blüte durch kaliumbetonte Dünger – kann die Aufnahme von Magnesium reduzieren.
Zusätzlich wirkt sich ein hoher EC-Wert negativ aus. Wenn zu viele gelöste Salze im Substrat vorhanden sind, steigt der osmotische Druck. Die Wurzel muss mehr Energie aufbringen, um Wasser aufzunehmen. Mikronährstoffe und sekundäre Makronährstoffe werden in solchen Stresssituationen zuerst eingeschränkt aufgenommen.
Magnesiummangel ist daher oft ein sekundäres Symptom von Überdüngung.
3. Photosyntheseleistung als Systemindikator
Da Magnesium direkt im Chlorophyllmolekül sitzt, reagiert die Pflanze bei Mangel sofort mit reduzierter Photosyntheseleistung. Das hat systemische Konsequenzen:
Dieser Energiemangel verstärkt wiederum die Anfälligkeit gegenüber anderen Mängeln. Ein instabiles Nährstoffsystem wirkt also exponentiell – kleine Ungleichgewichte summieren sich.
Langfristige Stabilität bedeutet daher nicht nur korrekte Nährstoffwerte, sondern eine stabile Energieproduktion.
4. Wurzelmikrobiologie und Magnesiumverfügbarkeit
Im organischen Anbau spielt die Bodenbiologie eine entscheidende Rolle. Mikroorganismen helfen, Mineralien verfügbar zu machen. Ein gestörtes mikrobielles Gleichgewicht – etwa durch Salzstress oder extreme pH-Schwankungen – reduziert die Freisetzung von Magnesium.
Ein lebendiger Boden puffert Schwankungen. Ein steriles, überdüngtes Substrat verstärkt sie.
Stabilität entsteht nicht nur chemisch, sondern biologisch.
5. Langfristige Systemstabilität im gesamten Zyklus
Viele Grower reagieren erst, wenn Symptome sichtbar werden. Doch nachhaltige Stabilität entsteht präventiv:
konstante pH-Werte
moderater EC
ausgewogenes Ca:Mg:K-Verhältnis
stabile Temperatur im Wurzelbereich
kontrollierte Bewässerungszyklen
Besonders wichtig ist die vegetative Phase. Wird hier eine stabile Magnesiumversorgung aufgebaut, geht die Pflanze mit voller Photosynthesekapazität in die Blüte. Fehler in der Vegetation wirken sich später deutlich stärker aus.
6. Warum isolierte Korrekturen oft scheitern
Ein häufiger Fehler ist die isolierte Magnesiumgabe ohne Ursachenanalyse. Kurzfristig können Symptome nachlassen – langfristig bleibt das System instabil.
Beispiel:
Zu hoher EC blockiert Magnesium.
Grower gibt mehr Magnesium.
EC steigt weiter.
Blockade verschärft sich.
Das Problem wird verstärkt.
Langfristige Stabilität bedeutet immer:
System prüfen → Ursache identifizieren → Gleichgewicht herstellen → moderat korrigieren.
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und möchte niemanden zum Konsum von CBD oder ähnlichen Produkten verleiten. Unsere Produkte sind ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke gedacht. Informiere dich vor dem Kauf stets über die aktuelle Gesetzeslage in deinem Land.