Low Stress Training (Cannabis): Pflanzenstruktur gezielt formen ohne Wachstumsstopp
Geschrieben von: Katharina
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Lesezeit 4 min
Low Stress Training (LST) ist eine Methode zur strukturellen Steuerung von Cannabispflanzen, bei der Triebe vorsichtig gebogen und fixiert werden, ohne sie zu schneiden oder zu verletzen. Ziel ist es, die natürliche Wuchsform zu verändern, die Lichtverteilung zu optimieren und mehrere gleichwertige Blütenstände zu erzeugen – bei minimalem Stress für die Pflanze.
Im Gegensatz zum High-Stress-Training greift LST nicht in die Gewebestruktur ein. Es nutzt vielmehr die natürliche Reaktion der Pflavnze auf Licht und Schwerkraft. Wer Low Stress Training richtig versteht, arbeitet mit der Pflanzenphysiologie – nicht gegen sie.
Warum funktioniert Cannabis Low Stress Training überhaupt?
Cannabis zeigt eine sogenannte apikale Dominanz. Das bedeutet: Die oberste Triebspitze produziert Auxine (Wachstumshormone), die das Wachstum unterer Seitentriebe hemmen. Solange der Haupttrieb senkrecht wächst, bleibt er dominant.
Beim Low Stress Training wird dieser Haupttrieb vorsichtig nach unten gebogen. Dadurch verändert sich die Hormonverteilung. Die Auxinkonzentration verteilt sich gleichmäßiger über die Pflanze, und zuvor unterdrückte Seitentriebe beginnen stärker zu wachsen.
Zusätzlich nutzt LST den Phototropismus (Wachstum zum Licht) und den Gravitropismus (Wachstum entgegen der Schwerkraft). Wird ein Trieb horizontal ausgerichtet, versucht die Pflanze automatisch, neue Spitzen nach oben zu bilden. Dadurch entsteht eine flachere, breitere Struktur mit mehreren gleich hohen Wachstumspunkten.
Low Stress Training verändert die Hormonverteilung ohne Gewebeschädigung. High Stress Training unterbricht aktiv die apikale Dominanz durch Schnitt oder Bruch.
LST:
keine Wundheilung notwendig
kaum Wachstumsstopp
kontinuierliche Entwicklung
geringes Risiko
HST:
bewusste Verletzung
kurze Regenerationsphase
stärkere strukturelle Veränderung
höheres Stresspotenzial
Langfristig ist LST besonders für Anfänger oder empfindliche Genetiken geeignet, da es das Risiko minimiert.
Ein häufiger Fehler ist zu starkes Biegen. Wird ein Trieb gequetscht oder geknickt, entsteht ungewollt High Stress.
Weitere typische Probleme:
zu enge Fixierung → Einschnürungen
unregelmäßige Anpassung → ungleichmäßige Struktur
Training während der Blütephase → Stressreaktionen
fehlende Stabilisierung → umkippende Pflanzen
Wichtig ist auch die Materialwahl. Starre Drahtbindungen können die Rinde beschädigen. Flexible, beschichtete Pflanzenbinder sind besser geeignet.
LST ist ein Prozess – kein einmaliger Eingriff.
Low Stress Training in der Blütephase
In der frühen Blütephase kann LST noch moderat fortgeführt werden, solange keine starken Biegungen mehr erfolgen. Sobald die Pflanze in die intensive Blütenbildung übergeht, sollte strukturelle Veränderung reduziert werden.
Warum?
In dieser Phase investiert die Pflanze Energie in Blüten- und Harzentwicklung. Zusätzlicher Stress kann die Energieverteilung stören.
Ein korrekt aufgebautes LST-Canopy vor der Blüte zahlt sich hier aus:
Gleichmäßige Lichtverteilung sorgt für homogene Blütenentwicklung.
Hormonregulation und Auxin-Verteilung beim Low Stress Training
Low Stress Training funktioniert nicht primär mechanisch – sondern hormonell. Das entscheidende Steuerungselement ist das Pflanzenhormon Auxin, das vor allem in der Triebspitze produziert wird. Auxin sorgt dafür, dass die oberste Spitze dominant bleibt und das Wachstum der Seitentriebe unterdrückt. Dieses Prinzip nennt man apikale Dominanz.
Wird der Haupttrieb nun beim LST horizontal ausgerichtet, verändert sich die Verteilung des Auxins im Gewebe. Durch die Schwerkraft sammelt sich das Hormon verstärkt an der unteren Seite des gebogenen Triebs. Gleichzeitig sinkt die effektive Konzentration an der bisherigen Spitze. Dadurch verlieren die unteren Seitentriebe ihre hormonelle Hemmung und beginnen stärker zu wachsen.
Parallel dazu wird das Hormon Cytokinin, das in den Wurzeln gebildet wird, relativ einflussreicher. Cytokinine fördern die Zellteilung in Seitentrieben. Durch die reduzierte Dominanz der Hauptspitze entsteht also ein neues Gleichgewicht zwischen Auxin und Cytokinin – die Pflanze bildet mehrere gleichwertige Wachstumspunkte.
Dieser Prozess ist dynamisch. Jede erneute Ausrichtung eines Triebes verändert die Hormonverteilung erneut. Deshalb ist LST kein einmaliger Eingriff, sondern ein kontinuierlicher Anpassungsprozess.
Langfristig führt diese hormonelle Umverteilung zu einer flacheren, symmetrischeren Pflanzenstruktur. Wichtig ist jedoch: Wenn der Stress zu stark wird – etwa durch zu starkes Biegen oder Beschädigung der Rinde – wechselt die Pflanze von hormoneller Anpassung in eine Wundheilungsreaktion. Dann befindet man sich nicht mehr im Bereich von Low Stress, sondern bereits im High-Stress-Spektrum.
LST ist also im Kern eine Methode, die Hormondynamik der Pflanze gezielt umzulenken, ohne ihre strukturelle Integrität zu verletzen.
FAQ
Steigert LST automatisch den Ertrag?
Nicht automatisch. Es verbessert die Lichtverteilung – Ertrag hängt weiterhin von Klima, Nährstoffen und Genetik ab.
Kann man LST mit Topping kombinieren?
Ja. Viele Grower kombinieren beide Methoden für maximale Strukturkontrolle.
Wie oft sollte man nachjustieren?
Mehrmals pro Woche in der Vegetationsphase, je nach Wachstumsgeschwindigkeit.
Ist LST auch für Outdoor geeignet?
Ja, besonders zur Höhenkontrolle und besseren Lichtnutzung.
prüfen, um Blockaden auszuschließen.
Disclaimer
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und möchte niemanden zum Konsum von CBD oder ähnlichen Produkten verleiten. Unsere Produkte sind ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke gedacht. Informiere dich vor dem Kauf stets über die aktuelle Gesetzeslage in deinem Land.