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Cannabis Pflanze mit typischen Schädlingsschäden wie Blattflecken, gesprenkelten Oberflächen und Trichomverlust – Beispiel für frühen Befall.

High-Stress-Training bei Cannabispflanzen richtig anwenden

Geschrieben von: Katharina

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Lesezeit 4 min

High-Stress-Training (HST) bezeichnet gezielte Eingriffe in die Struktur von Cannabispflanzen, bei denen bewusst mechanischer Stress erzeugt wird, um Wachstum, Verzweigung und Ertragsverteilung zu beeinflussen. Anders als beim Low-Stress-Training werden hier Pflanzenteile geschnitten, gebrochen oder stark manipuliert. Ziel ist es, die natürliche Wuchsform zu verändern und das Licht effizienter auf mehrere Blütenstände zu verteilen.


Doch High-Stress-Training ist kein rein mechanischer Vorgang. Jeder Eingriff beeinflusst die Hormondynamik, Energieverteilung und Stressregulation der Pflanze. Wer HST einsetzt, sollte daher nicht nur wissen, wie geschnitten wird, sondern verstehen, warum die Pflanze darauf reagiert – und wann sie überfordert wird.

Key Takeaways:


  • HST verändert aktiv die Pflanzenstruktur

  • Apikale Dominanz wird gezielt unterbrochen

  • Nur in der vegetativen Phase anwenden

  • Übertraining führt zu Wachstumsstopp

  • Kombination mit LST ist oft sinnvoll



Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet High-Stress-Training genau?

High-Stress-Training umfasst alle Trainingsmethoden, bei denen Teile der Pflanze aktiv entfernt oder stark beschädigt werden. Dazu zählen unter anderem:


  • Topping (Entfernen der Triebspitze)

  • Fimming (partielles Entfernen der Spitze)

  • Supercropping (gezieltes Knicken von Trieben)

  • Starkes Entlauben



Gemeinsam ist diesen Methoden, dass sie die apikale Dominanz stören – also die natürliche Vorherrschaft der obersten Triebspitze. Cannabis wächst normalerweise mit einer dominanten Hauptcola. Wird diese Dominanz unterbrochen, verteilt die Pflanze ihre Energie auf mehrere Seitentriebe.


HST greift damit direkt in die Wachstumsregulation ein.


Warum reagiert Cannabis auf High-Stress-Training?

Cannabispflanzen regulieren ihr Wachstum über Pflanzenhormone, insbesondere Auxine. Diese werden hauptsächlich in der obersten Spitze gebildet und steuern die Dominanz über die unteren Triebe.


Wird die Spitze entfernt oder stark beschädigt, sinkt die Auxinkonzentration im oberen Bereich. Dadurch werden untere Seitentriebe aktiviert. Die Pflanze „versteht“ den Eingriff als Signal, alternative Wachstumspunkte zu fördern.


Dieser Prozess ist kein Zufall, sondern eine Überlebensstrategie. In der Natur können Pflanzen durch Tiere oder Witterung beschädigt werden. High-Stress-Training nutzt genau diesen Mechanismus gezielt aus.

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Ziel von High-Stress-Training

Das Hauptziel ist eine gleichmäßigere Lichtverteilung. Statt einer einzelnen dominanten Hauptblüte entstehen mehrere Triebe auf ähnlicher Höhe. Das kann:


  • die nutzbare Blütenfläche erhöhen

  • das Höhenwachstum kontrollieren

  • Indoor-Flächen effizienter ausnutzen



Wichtig ist jedoch: HST steigert nicht automatisch den Ertrag. Es verändert die Struktur – ob das positiv wirkt, hängt stark von Lichtintensität, Klima und Pflege ab.

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Wann ist der richtige Zeitpunkt für HST?

High-Stress-Training sollte ausschließlich in der vegetativen Wachstumsphase durchgeführt werden. In dieser Phase kann die Pflanze Stress noch gut kompensieren.


Zu frühes HST schwächt junge Pflanzen, da das Wurzelsystem noch nicht stabil genug ist. Zu spätes HST – insbesondere in der Blütephase – kann die Blütenentwicklung stören und Ertrag reduzieren.


Ein guter Zeitpunkt ist erreicht, wenn:


  • mehrere Nodien ausgebildet sind

  • die Pflanze kräftig wächst

  • keine Mangelerscheinungen vorliegen



Gesundheit ist Voraussetzung für erfolgreiches HST.


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Typische HST-Methoden im Detail


Topping



Beim Topping wird die oberste Triebspitze vollständig entfernt. Die Pflanze bildet in der Regel zwei neue Haupttriebe aus.


Wirkung:


  • kontrolliertes Höhenwachstum

  • berechenbare Struktur

  • relativ schnelle Regeneration



Topping gilt als die kontrollierteste Form des High-Stress-Trainings.



Supercropping



Beim Supercropping werden Triebe gezielt geknickt, ohne sie vollständig zu durchtrennen. Dadurch wird die interne Struktur geschwächt, aber nicht zerstört.


Wirkung:


  • horizontale Ausrichtung

  • stärkere Seitentriebe

  • erhöhte Lichtausbeute



Diese Methode erfordert Erfahrung, da zu starkes Knicken den Trieb irreparabel beschädigen kann.



Starkes Entlauben



Hierbei werden größere Blattmengen entfernt, um Licht tiefer in die Pflanze zu bringen. Richtig angewendet kann dies die Blütenentwicklung fördern.


Zu starkes Entlauben führt jedoch schnell zu:


  • Stressreaktionen

  • verlangsamtem Wachstum

  • reduzierter Photosynthese



Blätter sind Energielieferanten – ihr Verlust muss kompensiert werden.


Risiken von High-Stress-Training

High-Stress-Training bedeutet bewusst erzeugten Stress. Wird dieser falsch dosiert, entstehen langfristige Schäden.


Ein zentrales Risiko ist Übertraining. Mehrere Eingriffe in kurzer Zeit verhindern, dass die Pflanze ausreichend regenerieren kann. Statt Verzweigung entsteht Wachstumsstopp.


Ein weiteres Risiko ist Training bei bereits geschwächten Pflanzen. Nährstoffmangel, falscher pH-Wert oder Wurzelstress verstärken die negativen Effekte erheblich.


Besonders kritisch ist HST in der frühen Blütephase. Hier investiert die Pflanze Energie in Blütenbildung. Zusätzlicher Stress kann die Blütenstruktur dauerhaft beeinträchtigen.


Langfristige Auswirkungen von richtig angewendetem HST

Richtig eingesetzt kann High-Stress-Training die Pflanzenarchitektur nachhaltig verbessern. Mehr gleichmäßig hohe Triebe sorgen für eine bessere Nutzung des verfügbaren Lichts. Das führt zu einer ausgewogeneren Energieverteilung und potenziell stabileren Blütenständen.


Langfristig profitieren vor allem Indoor-Grower mit begrenzter Höhe von HST. Die vertikale Dominanz wird gebrochen, wodurch das Pflanzenvolumen effizienter genutzt wird.


Allerdings gilt: HST ist kein Ersatz für gutes Klima, korrektes Gießen oder ausgewogene Nährstoffversorgung. Ohne stabile Grundbedingungen verschärft HST bestehende Probleme.


FAQ

Ist High-Stress-Training für Anfänger geeignet?

Mit Vorsicht. Ein solides Grundverständnis ist empfehlenswert.

Steigert HST automatisch den Ertrag?

Nein. Es verbessert die Struktur – Ertrag hängt von mehreren Faktoren ab.


Kann man in der Blütephase noch HST anwenden?

Nicht empfehlenswert, da es Blütenentwicklung stören kann.


Wie lange braucht die Pflanze zur Erholung?

Meist mehrere Tage bis eine Woche, je nach Methode.

Disclaimer

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und möchte niemanden zum Konsum von CBD oder ähnlichen Produkten verleiten. Unsere Produkte sind ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke gedacht. Informiere dich vor dem Kauf stets über die aktuelle Gesetzeslage in deinem Land.

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